Drei Jahre Arbeit, unzählige Details und eine klare Idee. Die Corvo zeigt, was passiert, wenn ein Architekt eine Moto Guzzi V85 nicht einfach umbaut, sondern gestalterisch von Grund auf neu denkt.
Linien, die irgendwo beginnen und nirgendwo enden.
Wer sich moderne Motorräder genauer ansieht, entdeckt unter Tank, Verkleidung und Anbauteilen oft erstaunlich viel gestalterische Unruhe. Technische Notwendigkeiten treffen auf Kunststoffblenden, und am Ende muss das Ganze vor allem in Serie produzierbar sein.
Jörg Reith sieht solche Dinge. Vermutlich öfter, als einem Motorradbesitzer lieb sein kann. Reith ist Architekt, und entsprechend wichtig sind ihm Proportionen, Linien und das Zusammenspiel von Flächen und Volumen.
Die Moto Guzzi V85 gefiel ihm als technische Basis. Aber er war überzeugt, dass in ihr ein vollkommen anderes Motorrad steckt. Also begann er nicht mit einem Zubehörkatalog, sondern mit dem Zeichenstift: weg mit allem, was die Form unnötig unruhig macht. Leichter sollte sie wirken, klarer, geschlossener.
Ausgangspunkt ist die originale Moto Guzzi V85. Ein gutes Motorrad, aber mit vielen Linien, die nichts miteinander zu tun haben.
Die Serien-V85 auf dem Zeichenblatt. Hier beginnt die Arbeit mit dem Stift.
Die Silhouette: eine Oberlinie vom Heck über Sitz und Tank bis zum Windschild.
Zwei Senkrechte setzen Anfang und Ende des Körpers.
Diagonalen geben den Seitendeckeln Richtung und Spannung.
Eine durchgehende Unterkante verbindet Heck und Motor.
Die Fuge zwischen Tank und Seitendeckel wird selbst zur Linie.
Alle Linien zusammen ergeben das Gerüst der Corvo. Nicht customized, sondern neu proportioniert.
Erst dann kommt Farbe ins Spiel: Schwarz mit tiefem Blau.
Hier der Architekt, der in Flächen denkt. Dort der Customizer, bei dem alle Gewerke zusammenlaufen.Aus diesem Spannungsfeld entstand die Corvo
Eine Guzzi namens Krähe.
„Corvo“ heißt auf Italienisch Krähe, und das passt erstaunlich gut in die Geschichte von Moto Guzzi. Die Marke hat ihren Motorrädern immer wieder Vogelnamen gegeben.
Für Jörg Reith kam etwas Persönliches hinzu. Krähen faszinieren ihn seit Langem: ihre Intelligenz, ihre Erscheinung und dieses tiefschwarze Gefieder, das im richtigen Licht plötzlich blau, violett oder metallisch schimmert. Genau dieser Effekt sollte sich am Motorrad wiederfinden.
Reith entwarf deshalb auch ein eigenes Logo. Es sitzt nicht plakativ als Dekor auf dem Tank, sondern bildet einen feinen Rapport in der Lackierung. Erst beim genaueren Hinsehen wird das Muster sichtbar.




Aluminium statt Plastik.
Der größte Eingriff betrifft die Silhouette. Von der serienmäßigen Karosserie blieb gestalterisch wenig übrig. Tank und Seitendeckel entstanden komplett neu und wurden von einem spezialisierten Metallbauer in Handarbeit aus Aluminium gefertigt. Windschild und Heck wurden in die neue Linie einbezogen.
Das Ergebnis wirkt deutlich kompakter und geschlossener als die V85, die einmal darunter steckte. Vor allem folgt die Maschine jetzt einer durchgehenden gestalterischen Idee.
Und die Reduktion blieb nicht nur optisch: Am Ende bringt die Corvo rund 30 Kilogramm weniger auf die Waage als das Serienmotorrad. Bei einem fahrfertigen Umbau dieser Größenordnung ist das mehr als eine kosmetische Diät.






Jörg Reith, Architekt
Er denkt in Linien, Flächen und Proportionen. Die Corvo ist sein Entwurf, vom ersten Strich bis zum Rapport im Lack. Und sie ist sein Motorrad.

Jens Koch, „Doc Jensen“
Seit 1999 baut Doc Jensen Motorrad in Schwarzenbek bei Hamburg Moto Guzzis um, tunt und restauriert sie. Koch verantwortete den kompletten Aufbau, die technische Umsetzung und alle beteiligten Spezialisten. Sein Name steht bewusst auf dem Tank.
doc-jensen.de ↗
Kein Ausstellungsstück.
Trotz aller gestalterischen Konsequenz sollte die Corvo nie in einer Vitrine enden. Sie ist ein Motorrad und wird entsprechend gefahren.
Deshalb blieb es nicht beim Bodywork. Für die Corvo entstand eine speziell angefertigte Auspuffanlage von Mistral, mit Unterstützung des Werks. An der Hinterhand arbeitet Fahrwerkstechnik von Wilbers.
Die Corvo will keine alte Guzzi imitieren und kein Retro-Bike sein. Sie nimmt eine moderne Moto Guzzi und stellt eine andere Frage.





Wie hätte dieses Motorrad ausgesehen, wenn von Anfang an ein Architekt die Linien gezogen hätte?
Galerie
Fotografie: FREYGEIST · zum Vergrößern antippenFakten
Die Corvo auf einen Blick
Die Maschine
Interesse an der Corvo?
Fragen zur Maschine oder Interesse an der Corvo? Schreiben Sie direkt an Jörg Reith, Entwerfer und Eigentümer.
Fotografie
Diese Bilder sind von FREYGEIST.
Entstanden an einem einzigen Abend im September, vom ersten Licht bis zur tiefen Sonne. Wenn Ihr Projekt, Ihr Produkt oder Ihr Unternehmen so gesehen werden soll, sprechen wir darüber.