Die Corvo im Gegenlicht auf einem Feldweg, Seitenansicht von rechts
Moto Guzzi V85 · Einzelstück · Entwurf Jörg Reith · Umbau Doc Jensen

Corvo

Wenn ein Architekt eine Guzzi neu denkt – und Doc Jensen sie baut.

Die Geschichte ↓

Drei Jahre Arbeit, unzählige Details und eine klare Idee. Die Corvo zeigt, was passiert, wenn ein Architekt eine Moto Guzzi V85 nicht einfach umbaut, sondern gestalterisch von Grund auf neu denkt.

Bauzeit3 Jahre
Gewicht ggü. Serie−30 kg
BodyworkAlu
Auflage1 Stück
I — Die Idee

Linien, die irgendwo beginnen und nirgendwo enden.

Wer sich moderne Motorräder genauer ansieht, entdeckt unter Tank, Verkleidung und Anbauteilen oft erstaunlich viel gestalterische Unruhe. Technische Notwendigkeiten treffen auf Kunststoffblenden, und am Ende muss das Ganze vor allem in Serie produzierbar sein.

Jörg Reith sieht solche Dinge. Vermutlich öfter, als einem Motorradbesitzer lieb sein kann. Reith ist Architekt, und entsprechend wichtig sind ihm Proportionen, Linien und das Zusammenspiel von Flächen und Volumen.

Die Moto Guzzi V85 gefiel ihm als technische Basis. Aber er war überzeugt, dass in ihr ein vollkommen anderes Motorrad steckt. Also begann er nicht mit einem Zubehörkatalog, sondern mit dem Zeichenstift: weg mit allem, was die Form unnötig unruhig macht. Leichter sollte sie wirken, klarer, geschlossener.

Die originale Moto Guzzi V85 TT in Seitenansicht Skizze: die Serien-V85 auf dem Zeichenblatt Leitlinien-Skizze: Oberlinie Leitlinien-Skizze: Begrenzungen vorn und hinten Leitlinien-Skizze: Diagonalen Leitlinien-Skizze: Unterkante Leitlinien-Skizze: Fuge Tank und Seitendeckel Leitlinien-Skizze: alle Linien zusammen Farbkonzept-Skizze in Schwarz und Blau
Umbau V85 · Entwurf J. ReithBlatt 1 / 9
Blatt 1 · Serie

Ausgangspunkt ist die originale Moto Guzzi V85. Ein gutes Motorrad, aber mit vielen Linien, die nichts miteinander zu tun haben.

Blatt 2 · Bestand

Die Serien-V85 auf dem Zeichenblatt. Hier beginnt die Arbeit mit dem Stift.

Blatt 3 · Leitlinien

Die Silhouette: eine Oberlinie vom Heck über Sitz und Tank bis zum Windschild.

Blatt 4 · Leitlinien

Zwei Senkrechte setzen Anfang und Ende des Körpers.

Blatt 5 · Leitlinien

Diagonalen geben den Seitendeckeln Richtung und Spannung.

Blatt 6 · Leitlinien

Eine durchgehende Unterkante verbindet Heck und Motor.

Blatt 7 · Leitlinien

Die Fuge zwischen Tank und Seitendeckel wird selbst zur Linie.

Blatt 8 · Leitlinien

Alle Linien zusammen ergeben das Gerüst der Corvo. Nicht customized, sondern neu proportioniert.

Blatt 9 · Farbkonzept

Erst dann kommt Farbe ins Spiel: Schwarz mit tiefem Blau.

Die fertige Corvo in Seitenansicht vor Abendhimmel
Aus der Zeichnung wird ein Motorrad.
Hier der Architekt, der in Flächen denkt. Dort der Customizer, bei dem alle Gewerke zusammenlaufen.
Aus diesem Spannungsfeld entstand die Corvo
II — Der Name

Eine Guzzi namens Krähe.

„Corvo“ heißt auf Italienisch Krähe, und das passt erstaunlich gut in die Geschichte von Moto Guzzi. Die Marke hat ihren Motorrädern immer wieder Vogelnamen gegeben.

Für Jörg Reith kam etwas Persönliches hinzu. Krähen faszinieren ihn seit Langem: ihre Intelligenz, ihre Erscheinung und dieses tiefschwarze Gefieder, das im richtigen Licht plötzlich blau, violett oder metallisch schimmert. Genau dieser Effekt sollte sich am Motorrad wiederfinden.

Reith entwarf deshalb auch ein eigenes Logo. Es sitzt nicht plakativ als Dekor auf dem Tank, sondern bildet einen feinen Rapport in der Lackierung. Erst beim genaueren Hinsehen wird das Muster sichtbar.

FalconeFalke
AironeReiher
GallettoHähnchen
CorvoKrähe
Tank mit fein eingearbeitetem Corvo-Logo-Rapport und Doc-Jensen-Schriftzug
Der Rapport im Lack: sichtbar erst bei genauem Hinsehen.
Moodboard mit Farbmustern Manganitgrau, Schwarz, Ocean-Wave-Blau und einer Krähe
Moodboard: Manganitgrau magno, Schwarz uni, Dunkelblau Ocean Wave.
Die Corvo im Sonnenlicht, der schwarze Lack schimmert blau
Auf den ersten Blick schwarz. Im Licht kommt das Blau.
III — Der Bau

Aluminium statt Plastik.

Der größte Eingriff betrifft die Silhouette. Von der serienmäßigen Karosserie blieb gestalterisch wenig übrig. Tank und Seitendeckel entstanden komplett neu und wurden von einem spezialisierten Metallbauer in Handarbeit aus Aluminium gefertigt. Windschild und Heck wurden in die neue Linie einbezogen.

Das Ergebnis wirkt deutlich kompakter und geschlossener als die V85, die einmal darunter steckte. Vor allem folgt die Maschine jetzt einer durchgehenden gestalterischen Idee.

Und die Reduktion blieb nicht nur optisch: Am Ende bringt die Corvo rund 30 Kilogramm weniger auf die Waage als das Serienmotorrad. Bei einem fahrfertigen Umbau dieser Größenordnung ist das mehr als eine kosmetische Diät.

Aluminiumhandgefertigt
TiefschwarzLack
Blauchangierend
Aluminium-Seitendeckel mit geprägtem CORVO-Schriftzug und Lüftungsschlitzen
Seitendeckel, Aluminium
Gesteppte Sitzbank mit Rautenmuster
Sitzbank
Heckpartie mit Wilbers-Federbein und Mistral-Auspuff
Wilbers · Mistral
Tank und Sitz im Detail
Tank und Sitz
Motor und Rahmen im Detail
Der V-Twin
Jörg Reith an der Corvo im Abendlicht
Idee, Design & Logo

Jörg Reith, Architekt

Er denkt in Linien, Flächen und Proportionen. Die Corvo ist sein Entwurf, vom ersten Strich bis zum Rapport im Lack. Und sie ist sein Motorrad.

Das Team von Doc Jensen Motorrad in der Werkstatt in Schwarzenbek, vor einem Guzzi-V-Twin
Kompletter Umbau & Koordination

Jens Koch, „Doc Jensen“

Seit 1999 baut Doc Jensen Motorrad in Schwarzenbek bei Hamburg Moto Guzzis um, tunt und restauriert sie. Koch verantwortete den kompletten Aufbau, die technische Umsetzung und alle beteiligten Spezialisten. Sein Name steht bewusst auf dem Tank.

doc-jensen.de ↗
Die Corvo kommt auf einem Feldweg durch die Landschaft gefahren
Gebaut zum Fahren.
IV — Die Straße

Kein Ausstellungsstück.

Trotz aller gestalterischen Konsequenz sollte die Corvo nie in einer Vitrine enden. Sie ist ein Motorrad und wird entsprechend gefahren.

Deshalb blieb es nicht beim Bodywork. Für die Corvo entstand eine speziell angefertigte Auspuffanlage von Mistral, mit Unterstützung des Werks. An der Hinterhand arbeitet Fahrwerkstechnik von Wilbers.

Die Corvo will keine alte Guzzi imitieren und kein Retro-Bike sein. Sie nimmt eine moderne Moto Guzzi und stellt eine andere Frage.

Die Corvo in Fahrt auf einem Feldweg
Fahrer auf der Corvo frontal
Die Corvo in einer Kurve
Die Corvo kommt frontal auf den Betrachter zu
Die Corvo frontal im Grünen
Die eigentliche Frage

Wie hätte dieses Motorrad ausgesehen, wenn von Anfang an ein Architekt die Linien gezogen hätte?

Galerie

Fotografie: FREYGEIST · zum Vergrößern antippen

Fakten

Die Corvo auf einen Blick
ProjektCORVOital. Krähe · Einzelstück
BasisMoto Guzzi V85
Bauzeit3 Jahre
Gewichtca. 30 kg leichter als Serie
EigentümerJörg Reith
Idee, Design & LogoJörg Reith, Architekt
CustomizerJens Koch, Doc Jensen Motorrad, Schwarzenbek – Umbau, technische Umsetzung, Koordination
BodyworkHandgefertigter Aluminiumtank, Alu-Seitendeckel, neues Windschild und Heck
LackierungTiefschwarz, blau changierend, feiner Rapport aus dem Corvo-Logo
AuspuffMistral, Sonderanfertigung mit Werksunterstützung
FahrwerkWilbers-Hinterradfederung
Die Maschine

Interesse an der Corvo?

Fragen zur Maschine oder Interesse an der Corvo? Schreiben Sie direkt an Jörg Reith, Entwerfer und Eigentümer.

Anfrage senden j.reith@hinsen-reith.de
Fotografie

Diese Bilder sind von FREYGEIST.

Entstanden an einem einzigen Abend im September, vom ersten Licht bis zur tiefen Sonne. Wenn Ihr Projekt, Ihr Produkt oder Ihr Unternehmen so gesehen werden soll, sprechen wir darüber.

freygeist.photo ↗ Shooting anfragen klick@freygeist-foto.de